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TPC Sawgrass – Besuch beim berühmten Inselgrün von Loch 17

  • Autorenbild: Marco
    Marco
  • vor 6 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Der erste Moment, in dem man Loch 17 von TPC Sawgrass sieht, ist ziemlich speziell. Man steht dort, schaut auf dieses kleine Grün mitten im Wasser und denkt sich unweigerlich: Das sieht im Fernsehen irgendwie grösser aus. Genau so ging es mir zumindest. Wenn man als Golfer einmal in Florida ist, gibt es ein paar Orte, die man gesehen haben muss. Einer davon ist ohne Zweifel TPC Sawgrass. TPC steht übrigens für "Tournament Players Club", eine Reihe von Golfanlagen, die direkt von der PGA Tour betrieben werden. Ich war mittlerweile zweimal dort. Nicht mit Schläger und Scorekarte in der Hand, sondern eher als neugieriger Golfer, der einfach mal schauen wollte, wie so ein legendärer Platz überhaupt aussieht. Gespielt habe ich dort noch nie. Aber er steht definitiv noch auf meiner Liste, relativ weit oben sogar. Und wenn wie jetzt mitte März gerade The Players Championship läuft, kribbelt es natürlich nochmals ein bisschen mehr.


Zufahrt TPC Sawgrass
Home of the Players

Ankunft in einer Gated Community

Die erste Überraschung kommt bereits bei der Anfahrt. TPC Sawgrass liegt nämlich in einer Art Gated Community. Man fährt also nicht einfach irgendwo hin, parkt und läuft los. Zuerst meldet man sich bei einer Art Wachposten an, sagt freundlich, dass man zum Golfplatz möchte, und dann öffnet sich die Schranke. Schon auf dem Weg dorthin merkt man: Hier ist alles sehr gepflegt, ruhig und sehr amerikanisch. Breite Strassen, Palmen, grosse Häuser. Irgendwie fühlt man sich schon ein bisschen wie in einem Golf-Film.


Freundlichkeit, die auffällt

Was mir bei beiden Besuchen besonders aufgefallen ist: Die Leute dort sind unglaublich freundlich. Und zwar nicht nur zu Spielern, die gerade eine Runde für mehrere hundert Dollar gebucht haben. Auch wenn man einfach nur vorbeischaut, ein bisschen durch den Shop schlendert oder sich das Gelände anschaut, wird man überall herzlich begrüsst. Man hat nie das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Im Gegenteil. Man wird eher gefragt, ob man noch etwas sehen möchte oder ob man Fragen hat. Das ist etwas, das viele Golfanlagen sich durchaus abschauen könnten.


Parkplatz der Tour Profis
Tour Players Only

Das Land für einen Dollar

Heute ist die Region rund um Ponte Vedra Beach stark vom Golf-Tourismus geprägt, und TPC Sawgrass spielt dabei eine zentrale Rolle. Kaum vorstellbar also, dass dieses Gelände einmal für symbolische einen Dollar den Besitzer gewechselt hat.

Die Geschichte von TPC Sawgrass beginnt übrigens mit einer ziemlich unglaublichen Anekdote. In den späten 1970er Jahren suchte die PGA Tour nach einem festen Austragungsort für ihr wichtigstes Turnier, The Players Championship. Der damalige PGA Tour Commissioner Deane Beman hatte die Vision eines eigenen Turnierplatzes, der perfekt für Spieler und Zuschauer konzipiert sein sollte. Als man in Ponte Vedra Beach ein geeignetes Gelände fand, gelang es Beman tatsächlich, das Land für symbolische einen US-Dollar zu erwerben. Der Hintergrund war ein cleverer Deal mit den lokalen Behörden und Investoren: Der Golfplatz sollte als Ankerprojekt dienen, um die gesamte Region touristisch und wirtschaftlich aufzuwerten. Im Gegenzug wurde das Grundstück praktisch verschenkt. Rückblickend war das vermutlich einer der besten Deals in der Golfgeschichte.


Ein Golfplatz wie ein Stadion

Der berühmte Stadium Course wurde anschliessend von Pete Dye entworfen und Anfang der 1980er Jahre gebaut. Die Idee war damals ziemlich revolutionär. Der Platz sollte nicht nur für Spieler funktionieren, sondern auch perfekt für Zuschauer. Deshalb wurde das Gelände so modelliert, dass rund um viele Löcher natürliche Zuschauerhügel entstanden. Von dort kann man das Spiel perfekt verfolgen, ohne dass überall riesige Tribünen aufgebaut werden müssen. Wenn man über den Platz fährt, merkt man schnell, wie durchdacht das Ganze ist. Es fühlt sich tatsächlich ein bisschen an wie ein Stadion, nur eben aus Gras.


Logo von TPC Sawgrass
TPC Sawgrass Logo

Das Clubhouse und seine verrückte Baugeschichte

Das Clubhouse selbst ist übrigens alles andere als klein. Es ist ein grosses Gebäude mit mehreren Restaurants, grosszügigen Aufenthaltsbereichen und einer weitläufigen Terrasse mit Blick auf den Platz. Gerade diese Terrasse ist ein perfekter Ort, um das Geschehen rund um die Anlage in Ruhe zu beobachten.

Apropos Clubhouse: Wenn man davor steht, hat man sofort das Gefühl, vor einem altehrwürdigen Stück Golfgeschichte zu stehen. Die Architektur wirkt klassisch und fast ein wenig aristokratisch, mit heller Fassade, roten Ziegeln und Palmen davor. Man könnte problemlos glauben, dass dieses Gebäude schon seit vielen Jahrzehnten dort steht. Die Wahrheit ist allerdings eine andere, denn das heutige Clubhouse ist gar nicht so alt, wie es aussieht. Es wurde erst Anfang der 2000er Jahre neu gebaut. Das alte Clubhouse musste ersetzt werden, und zwischen zwei Austragungen der Players Championship blieb nur etwa ein Jahr Zeit, um das alte Gebäude abzureissen und ein komplett neues zu bauen. Für ein Projekt dieser Grössenordnung ist das extrem knapp. Die vielleicht verrückteste Szene spielte sich deshalb am Finaltag des Turniers ab. Während die Finalisten auf den letzten Löchern ihre Putts versenkten, warteten im Hintergrund bereits die Bautrupps mit ihren Maschinen. Bagger, Baugeräte und Arbeiter standen bereit und warteten nur auf das Startsignal. Kaum war der letzte Putt gefallen und das Turnier offiziell beendet, ging es los. Abriss, Neubau und ein Wettlauf gegen die Zeit, damit zum nächsten Players Championship alles wieder bereit war. Wenn man heute davor steht, merkt man davon natürlich nichts mehr. Das Gebäude wirkt so selbstverständlich und historisch, als wäre es schon immer Teil von TPC Sawgrass gewesen. Wenn man schon einmal dort ist, kann ich übrigens nur empfehlen, sich auf die Terrasse des Clubhouses zu setzen und ein klassisches Club Sandwich zu bestellen. Mit Blick auf den Platz schmeckt das gleich doppelt so gut und gehört für mich mittlerweile fast genauso zum Besuch wie ein Foto am 17. Loch.



Ein kleines Museum der Champions

Im Clubhouse gibt es noch eine sehr schöne Tradition: Von jedem Sieger der Players Championship wird ein Golfschläger ausgestellt. Man kann also quasi durch die Geschichte des Turniers laufen und sieht die verschiedenen Schläger der Champions. Für Golf-Nerds ist das ein ziemlich cooles Detail, und wenn man ein bisschen Zeit hat, bleibt man automatisch länger davor stehen, als man eigentlich geplant hatte.



Der geheime Spielereingang

Ein weiteres kleines Detail, das man als normaler Besucher vielleicht gar nicht bemerkt: Während des Turniers betreten die Spieler das Clubhouse nicht durch den Haupteingang. Direkt daneben gibt es einen separaten Eingang. Dort hängt ein Bild des Vorjahressiegers. Als ich dort war, war das Scottie Scheffler. Die Idee dahinter ist simpel und genial zugleich. Jeder Spieler, der hineingeht, sieht sofort, wen es dieses Jahr zu schlagen gilt. Man kann sich gut vorstellen, was in diesem Moment in den Köpfen der Spieler passiert: Ein kurzer Blick auf das Bild, ein kurzer Gedanke daran, wer hier zuletzt gewonnen hat, und gleichzeitig die Frage, ob man selbst vielleicht der Nächste sein könnte. Eine kleine mentale Erinnerung gleich beim Betreten des Clubhauses.



Spielereingang neben dem Haupteingang
Vorjahressieger Scottie Scheffler

Die kostenlose Tour über den Platz

Ein echtes Highlight ist die gratis geführte Tour, die regelmässig angeboten wird. Ja, richtig gelesen: gratis. Man fährt dabei mit einem Guide im Cart über das Gelände und bekommt spannende Geschichten über den Platz, das Turnier und die Entstehung von TPC Sawgrass erzählt. Der Guide kennt natürlich unzählige Anekdoten aus der Turniergeschichte. Das Beste daran ist, dass die Tour auch auf den Platz selbst fährt. Und natürlich macht sie Halt am berühmtesten Loch der Anlage.


Loch 17 – das wohl berühmteste Par 3 der Welt

Als ich dort war, waren rund um Loch 17 bereits die zusätzlichen Tribünen für die Players Championship aufgebaut. Und in diesem Moment versteht man plötzlich, warum dieses Loch so berüchtigt ist. Man steht dort, schaut auf dieses kleine Grün mitten im Wasser und merkt gleichzeitig, dass man praktisch von allen Seiten beobachtet werden würde. Die Tribünen gehen fast rundherum. Fast 360 Grad Zuschauer. Da wird schnell klar, was für ein unglaublicher Druck auf den Spielern lastet, wenn sie hier zum Abschlag gehen.

Wenn man zum ersten Mal vor Loch 17 steht, merkt man ausserdem schnell: Im Fernsehen wirkt es gross. In Wirklichkeit wirkt es klein. Sehr klein. Ein spannender Fun Fact zu diesem Loch: Das berühmte Inselgrün war ursprünglich gar nicht so geplant. Beim Bau des Platzes wurde rund um das Grün viel Erde abgetragen, um andere Teile des Stadium Course aufzuschütten. Dadurch entstand immer mehr Wasser rund um das Grün, bis praktisch nur noch eine kleine Insel übrig blieb. Die Idee, daraus tatsächlich ein Inselgrün zu machen, soll schliesslich von Alice Dye, der Frau von Platzarchitekt Pete Dye, gekommen sein. Was also eher aus der Not entstanden ist, wurde am Ende zu einem der berühmtesten Löcher der gesamten Golfwelt. Das Grün liegt wie eine Insel mitten im Wasser. Rundherum nur Holzsteg und Wasserfläche. Als Zuschauer denkt man sofort: Wie schwer kann das schon sein? Und gleichzeitig weiss man: Selbst Profis versenken hier jedes Jahr reihenweise Bälle. Wenn man dort steht, versteht man plötzlich auch, warum dieses Loch so berüchtigt ist. Der Schlag ist nicht lang, aber der Druck ist brutal.





Der oft übersehene Valley Course

Neben dem berühmten Stadium Course gibt es bei TPC Sawgrass übrigens noch einen zweiten Platz, den Valley Course. Er steht zwar ein wenig im Schatten seines berühmten Nachbarn, gilt aber ebenfalls als sehr anspruchsvoll und hervorragend gepflegt. Viele Besucher spielen diesen Platz, wenn sie keine Tee Time auf dem Stadium Course bekommen oder wenn sie nach der Rechnung für den Stadium Course kurz überlegen, ob der Valley Course vielleicht doch auch völlig reicht.


Fazit

TPC Sawgrass ist auf jeden Fall einer dieser Orte, die man als passionierter Golfer einfach einmal gesehen haben sollte. Selbst wenn man dort noch nicht spielt, lohnt sich ein Besuch. Die Anlage ist beeindruckend, die Geschichte spannend und die Atmosphäre während der Players Championship sowieso einzigartig. Und wer weiss, vielleicht stehe ich irgendwann doch einmal auf dem Abschlag von Loch 17. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein Ball im Wasser landet, ist zwar ziemlich hoch. Aber immerhin könnte ich dann behaupten: Ich habe es wenigstens versucht.


Möchtest Du TPC Sawgrass einmal selbst spielen?

Dann habe ich einen kleinen Trick für Dich. Einen, mit dem Du einfacher an eine Tee Time kommst, als Du vielleicht denkst und das zu einem Preis, der deutlich fairer ist, als man erwarten würde.


Wenn Dich das interessiert, schreib mir einfach über die Kommentarbox und ich verrate Dir, wie es funktioniert.


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